Heilige Tiere: Ratten in Indien
Als Ratte in Indien geboren zu werden, soll so manchen Inders ernsthafter Wunsch sein.
Ratten, so lästig sie als Nahrungskonkurrenten auch sind, gelten den Indern als heilig.
Insbesondere wenn sie den elefantenköpfigen Gott Ganesha verehren.
Heilige Ratte - das Reittier von Ganesha
Ganesha ist der vielleicht beliebteste Gott im heutigen Indien. Von diesem Wohlwollen bekommt auch sein Reittier - die Ratte - einen guten Teil ab. Die Ratte ist die treue Reisegefährtin des Gottes Ganesha. Und da Ganesha unter anderem für den Schutz der Reisenden zuständig ist, ist seine Ratte ein viel gefragtes heiliges Tier.
Ganesha gilt außerdem als der Gott der Klugheit, Lernens und des Glücks. Als niedlicher Elefantengott - mit vier Armen und einem gelenkigen Rüssel ist Ganesha außerdem sehr geschickt - der große Meister des Tantrismus. So begabt, kannn Ganesha viele Frauen gleichzeitig zur Ekstase bringen. Sein Reittier, die Ratte, wird in Indien wie ihr Herr Ganesha, als klug, umsichtig und geschickt bewundert.
Die Bewunderung der Inder für die Ratte ist für Europäer vielleicht erst seit dem köstlichen Film "Rata tui" nachvollziehbar. Ohne oder vor "Rata tui" war die Bewunderung für eine Ratte für europäische Gemüter nahezu undenkbar.
Heilige Ratten im Tempel von Karni Mata
Anders in Karni Mata - dem Rattentempel. Im Tempel Karni Matas, Deshnok, Nordindien, betritt der Europäer eine Welt, die seinen Gewohnheiten arg zuwiderläuft.
Karni Mata ist zweifellos das Paradies der Ratten auf Erden. Denn die Ratten gelten als Reinkarnation des Volkes der Karni Mata. Als heiliger Ahn wird jede einzelnen Ratte im Tempel verehrt - seit über 500 Jahren nun schon.
Ca 20.000 Ratten bewohnen die heiligen Tempelhallen in Karni Matas: Die Tiere speisen von silbernen Tellern. Die Tiere werden rund um die Uhr mit Leckereien wie Yoghourt und Bananen verwöhnt.
Kein Wunder, dass Inder dem Gedanken, als Ratte wiedergeboren zu werden, durchaus etwas abgewinnen können.
Touristen, die den Tempel betreten wollen, sind zu großer Vorsicht gegenüber den heiligen Tieren im Tempel angehalten. Auf eine der Ratten im Tempel zu treten - das sollte man lieber bleiben lassen. Bei 20 000 Ratten im Tempel ist das gar nicht so einfach. Und da die schlauen Tiere wissen, dass sie die Herren des Tempels sind, sind sie auch alles andere als scheu in ihren eigenen heiligen Hallen.
Das heilige Tier im Alltag
Faktisch gesprochen wird die Ratte von den Bauern Indiens durchaus als lästig empfunden. Die Bauern tun was sie können, um die flinken Nahrungskonkurrenten zu vertreiben. In den Städten Indiens sind Ratten überall - praktische Müllverwerter.



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